Der Feuersalamander: Ein Leben zwischen Wald und Wasser

Auf den feuchten Terrakottafliesen hebt sich seine schwarz-gelbe Gestalt deutlich vom Untergrund ab. Der Feuersalamander wirkt mit seinem gedrungenen Körper, den kurzen Beinen und der glänzenden Haut beinahe wie ein Tier aus einer anderen Zeit.

Ausgewachsene Feuersalamander erreichen gewöhnlich eine Länge von 15 bis 20 Zentimetern, gelegentlich sogar 25 Zentimeter. Sie gehören zur Familie der Echten Salamander (Salamandridae) und damit zu den Schwanzlurchen.

Ihre auffällige Färbung hat eine biologische Funktion. Die gelben Flecken und Streifen auf schwarzem Grund dienen als Warnsignal für mögliche Fressfeinde. Hinter den Augen sitzen auffällige Ohrdrüsen, die sogenannten Parotiden. Zusammen mit weiteren Hautdrüsen produzieren sie ein giftiges Sekret, das Angreifer abschreckt.

Für Menschen ist ein ungestörter Feuersalamander ungefährlich. Auf Berührungen sollte man dennoch verzichten, sowohl zum Schutz des Tieres als auch wegen seiner Hautsekrete.

Aufwachsen: Vom Wasser auf den Waldboden

Der Lebenszyklus des Feuersalamanders unterscheidet sich von jenem vieler anderer Amphibien.

Die Paarung findet an Land statt, häufig während der wärmeren Monate. Das Weibchen trägt die sich entwickelnden Embryonen anschliessend mehrere Monate im Körper. Anders als die meisten Frösche und Kröten legt es gewöhnlich keine Eier ins Wasser, sondern setzt bereits entwickelte Larven ab.

Dafür sucht das Weibchen ein geeignetes Gewässer auf. Kleine Waldbäche, Quellen, wassergefüllte Fahrspuren, Gräben oder Tümpel bieten mögliche Kinderstuben. Je nach Region und Witterung erfolgt die Larvenabgabe vom Herbst bis ins Frühjahr.

Ein Weibchen setzt meist mehrere Dutzend Larven ab, gelegentlich bis zu etwa 50.

Die jungen Salamander unterscheiden sich deutlich von den erwachsenen Tieren. Sie besitzen äussere Kiemenbüschel, mit denen sie unter Wasser atmen. Ihre Körperfärbung ist zunächst eher grau oder bräunlich. Auffällig sind helle Flecken an den Ansätzen der vier Beine.

Während der nächsten Monate durchlaufen die Larven eine Metamorphose. Die Beine entwickeln sich weiter, die Kiemen bilden sich zurück und die charakteristische gelb-schwarze Zeichnung tritt zunehmend hervor.

Nach ungefähr drei bis sechs Monaten verlassen die jungen Salamander das Wasser. Von nun an verbringen sie den grössten Teil ihres Lebens an Land.

Die Geschlechtsreife erreichen sie erst einige Jahre später. Unter günstigen Bedingungen werden Feuersalamander 20 Jahre alt, manche sogar älter.

Lebensraum: Feuchtigkeit, Laub und Totholz

Der Feuersalamander ist ein Bewohner feuchter, schattiger Lebensräume. Besonders wohl fühlt er sich in Laubwäldern und Mischwäldern mit einer ausgeprägten Laub- und Humusschicht.

Tagsüber versteckt er sich unter morschen Baumstämmen, zwischen Wurzeln, in Erdspalten oder verlassenen Kleinsäugerbauen. Solche Verstecke schützen ihn vor Austrocknung und starken Temperaturschwankungen.

Erst in der Dämmerung und nachts wird er aktiv. Besonders gute Beobachtungschancen bieten milde, regnerische Herbstabende. Bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit lassen sich Feuersalamander gelegentlich auch tagsüber entdecken.

Obwohl das Wasser für die Fortpflanzung unverzichtbar ist, leben erwachsene Feuersalamander hauptsächlich an Land. Sie sind keine besonders guten Schwimmer.

Entscheidend ist deshalb die räumliche Verbindung zwischen geeigneten Landhabitaten und Fortpflanzungsgewässern.

Ein strukturreicher Wald mit alten Bäumen, Totholz, feuchten Senken und kleinen Wasserläufen bietet dem Feuersalamander besonders günstige Voraussetzungen.

Auch traditionelle bretonische Heckenlandschaften, der sogenannte Bocage, erfüllen wichtige Funktionen. Sie schaffen beschattete, feuchte Rückzugsräume und verbinden kleinere Waldflächen miteinander.

Ernährung: Ein Jäger der Nacht

Feuersalamander ernähren sich überwiegend von wirbellosen Tieren.

Auf ihrem Speiseplan stehen Regenwürmer, Asseln, Schnecken, Spinnen, Käfer und verschiedene Insektenlarven. Die Beute wird meist am Boden aufgespürt und mit dem Maul ergriffen.

Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend nachts, wenn zahlreiche Bodentiere ebenfalls aktiv sind.

Auch die im Wasser lebenden Salamanderlarven sind Räuber. Sie ernähren sich von kleinen Krebstieren, Wasserinsekten und anderen wirbellosen Wasserbewohnern. Bei Nahrungsknappheit kommt gelegentlich Kannibalismus vor.

Damit ist der Feuersalamander in zwei unterschiedliche Nahrungsnetze eingebunden. Als Larve gehört er zum Ökosystem kleiner Gewässer, als erwachsenes Tier zur Lebensgemeinschaft des Waldbodens.

Verbreitung: Der Feuersalamander in der Bretagne

In der Bretagne ist der Feuersalamander weit verbreitet und gilt vielerorts als häufig. Er bewohnt die bewaldeten und heckenreichen Landschaften der vier bretonischen Départements, darunter auch die Côtes-d’Armor.

Die klimatischen Verhältnisse der Bretagne sind grundsätzlich günstig. Milde Temperaturen, regelmässige Niederschläge und eine vielerorts hohe Luftfeuchtigkeit entsprechen seinen ökologischen Ansprüchen.

Besonders bedeutsam sind die kleinen Wasserläufe und Feuchtgebiete im Inneren der Halbinsel.

Doch das Vorkommen einer Art sagt noch wenig über die Entwicklung ihrer Bestände aus. Auch eine weit verbreitete Art kann lokal zurückgehen, wenn Lebensräume verschwinden oder ihre Qualität abnimmt.

Die Naturschutzorganisation Bretagne Vivante unterstützt deshalb das Monitoring des Feuersalamanders. Im Rahmen der Mitmachaktion La Nuit des Dragons erfassen Freiwillige während der Herbstmonate Salamander entlang festgelegter Beobachtungsstrecken.

Die wiederholten Erhebungen sollen langfristig zeigen, ob lokale Populationen stabil bleiben, zu- oder abnehmen.

Jede Zeichnung ist einzigartig

Eine besonders interessante Eigenschaft des Feuersalamanders ist seine individuelle Körperzeichnung.

Die gelben Flecken, Bänder und Linien unterscheiden sich von Tier zu Tier. Ihre Anordnung eignet sich deshalb zur Identifizierung einzelner Individuen.

Das Prinzip ist aus der Erforschung grosser Meeressäuger bekannt.

Bei Buckelwalen fotografieren Wissenschaftler die Unterseite der Schwanzfluke. Deren Pigmentierung, Form und Narbenmuster ermöglichen es, einzelne Wale über viele Jahre hinweg wiederzuerkennen.

Beim Feuersalamander funktioniert die fotografische Wiedererkennung nach einem vergleichbaren Prinzip.

Wissenschaftler dokumentieren die Rückenzeichnung und vergleichen sie mit bereits vorhandenen Aufnahmen. Besonders bei ausgewachsenen Tieren ist das Muster ausreichend beständig, um Individuen über längere Zeiträume zu verfolgen.

Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2024 beschäftigte sich ausdrücklich mit der automatisierten Fotoidentifikation von Feuersalamandern und ihren Larven.

Solche Verfahren sind für die Bestandsforschung wertvoll. Sie ermöglichen es, einzelne Tiere wiederholt nachzuweisen und damit unter geeigneten Untersuchungsbedingungen Rückschlüsse auf Populationsgrössen, Überlebensraten und Standorttreue zu ziehen.

Auch für private Naturbeobachtungen ist diese Besonderheit interessant. Wer einen Feuersalamander von oben fotografiert und Datum sowie Fundort dokumentiert, besitzt möglicherweise bereits die Grundlage für eine spätere Wiedererkennung.

Die Tiere müssen dafür weder eingefangen noch markiert werden.

Seine Bedeutung für die Biodiversität

Der Feuersalamander ist Teil eines vielfältigen ökologischen Beziehungsnetzes.

Als Räuber beeinflusst er die Lebensgemeinschaft kleiner wirbelloser Tiere. Seine Larven wiederum sind Bestandteil der Nahrungsketten in kleinen Gewässern.

Seine Lebensweise macht deutlich, wie eng unterschiedliche Lebensräume miteinander verbunden sind.

Ein Feuersalamander benötigt einen geeigneten Lebensraum an Land, ausreichend Nahrung, geschützte Rückzugsorte und erreichbare Gewässer für die Entwicklung seiner Nachkommen.

Fehlt eines dieser Elemente, wird eine erfolgreiche Fortpflanzung schwieriger.

Das Vorkommen von Feuersalamandern liefert deshalb Hinweise auf die ökologische Qualität und Vernetzung feuchter Waldlandschaften. Ein einzelner Nachweis beweist allerdings noch keinen guten Erhaltungszustand des gesamten Lebensraumes.

Gefährdung und Schutz

In Frankreich steht der Feuersalamander unter gesetzlichem Schutz. Dennoch ist er verschiedenen Gefährdungen ausgesetzt.

Die Entwässerung von Feuchtgebieten, der Verlust kleiner Gewässer und die Beseitigung von Hecken und Totholz verändern seine Lebensräume.

Ein weiteres Problem ist der Strassenverkehr. Besonders in feuchten Nächten überqueren Feuersalamander Wege und Strassen. Ihre langsame Fortbewegung macht sie zu häufigen Verkehrsopfern.

Zunehmend beschäftigt auch ein Krankheitserreger die europäische Amphibienforschung. Der Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, hat in Teilen Europas schwere Verluste unter Feuersalamandern verursacht.

Für den Schutz der Art sind deshalb sowohl der Erhalt ihrer Lebensräume als auch die Beobachtung lokaler Populationen von Bedeutung.

Auf naturnahen Grundstücken helfen bereits einfache Massnahmen: Laubschichten und Totholz erhalten, schattige Rückzugsorte bewahren, kleine Gewässer schützen und auf Pestizide verzichten.

Ein Tier, das Aufmerksamkeit verdient

Der Feuersalamander ist weder selten genug, um überall eine Sensation auszulösen, noch häufig genug, um seine Lebensräume für selbstverständlich zu halten.

Sein Lebenszyklus zeigt, wie eng Waldboden und Wasser miteinander verbunden sind. Seine Anwesenheit erinnert daran, dass Biodiversität weit über die gut sichtbaren Vögel, Säugetiere und Blütenpflanzen hinausreicht.

Und seine individuelle Zeichnung eröffnet eine besonders interessante Möglichkeit für die Naturbeobachtung.

Vielleicht begegnet uns derselbe Salamander in einer weiteren regnerischen Nacht erneut.

Wir müssten nur seine Zeichnung wiedererkennen.

Havre du Vivant | Biodiversität und Naturbeobachtung in der Bretagne

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Parcs nationaux de France: La salamandre tachetée. Biologie, Fortpflanzung, Ernährung, Lebensraum und individuelle Zeichnung.
  2. Bretagne Vivante (2025): La Nuit des dragons : recenser la salamandre tachetée près de chez vous. Verbreitung, Gefährdung und wissenschaftliches Monitoring in der Bretagne.
  3. Schulte, L. et al. (2024): Performance of different automatic photographic identification software for larvae and adults of the European fire salamander. PLOS ONE, 19(4), e0298285. Wissenschaftliche Studie zur individuellen Wiedererkennung von Feuersalamandern anhand ihrer Zeichnung.
  4. NOAA Fisheries: Humpback Whale. Informationen zur fotografischen Identifizierung von Buckelwalen anhand ihrer individuellen Schwanzflukenzeichnung.
  5. Picardie Nature: Programme de surveillance de la Salamandre tachetée. Schutzmassnahmen und Überwachung des Amphibienpilzes Batrachochytrium salamandriv

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